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Nominieren Sie Ihren Pfleger des Jahres 2021

Karl-Heinz Henke

Pate: Jannis Kuper

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Jury,
im schönen niedersächsischem Emsland, unweit der niederländischen Landesgrenze gelegen, befindet sich das 7.000 einwohnerstarke Dorf Sögel. Zwischen Land und Wiesen befindet sich hier der Arbeitsplatz eines Pflegers der seinesgleichen sucht. Die Rede ist von Karl-Heinz "Kalle" Henke.
Kalle ist 36 Jahre alt und arbeitet als Intensivpfleger auf einer vom DRK ambulant geführten Wohngemeinschaft für außerklinische Intensivpflege. So zumindest die offizielle Bezeichnung seines Berufes - inoffiziell kommt es mir so vor als arbeite er als Arzt, Pharmazeut, Ergotherapeut, Alleinunterhalter, Ernährungsberater, Fußballmanager, Hausmann und Frauenversteher zur gleichen Zeit. Zweifelsfrei verbergen sich unter den gefährlich spitz hochgestylten Haaren Talente, die seinem Beruf zur Berufung verhelfen. Sein unaufhaltbarer Optimismus bestimmt das Stimmungsbild auf der ganzen WG, hält die gute Laune aufrecht und lässt die Bewohner ihre grausamen Schicksalsschläge und Krankheitsbilder ein Stück weit vergessen.
Ich erinnere mich gut und gerne an meinen ersten Praktikumstag auf der WG. Als Student des Gesundheitsmanagements war ich als Vollbluttheoretiker vorerst keine große Hilfe aber das störte Kalle keineswegs. Er schmiss mich buchstäblich ins kalte Wasser und nahm mir durch seine humorvolle und herzliche Art jegliche Angst. Wir betraten das Zimmer von Herrn Xi (Namen geändert). Herr Xi ist ein aus Vietnam stammender Bewohner auf der WG und leidet unter einer ewig langen Liste an Diagnosen. Der Anblick erschrak mich und mir war schnell bewusst, dass dieser Mensch auf 100% Hilfe angewiesen ist und laienhaft formuliert "nur so dalag". Kalle schaltete als erstes das Radio ein und begrüßte Herrn Xi ganz sanft auf Chinesisch, Japanisch oder Vietnamesisch? Ehrlich gesagt weiß ich nicht was Kalle da von sich gab aber ich realisierte sehr schnell, dass er es selber auch nicht wusste. Wie Sie sicherlich schon bemerkt haben, laufen bei Kollege Kalle nicht alle Drähte richtig zusammen aber das ist keinesfalls abwertend zu verstehen! Es ist bewundernswert zu beobachten auf welcher Weise er mit den Bewohnern umgeht und vor allem auf welch einem Wissen er zurückgreifen kann. Er kennt den menschlichen Körper wie seine Westentasche und weiß immer was zu tun ist.
Kalle sieht seine Arbeit als Pfleger nicht als das notwendige Übel Geld zu verdienen, um seine Familie ernähren zu können. Natürlich spielt die Vergütung immer eine ernstzunehmende Rolle aber bei Kalle merkt man, dass er sich ein Stück weit berufen fühlt Menschen mit schweren Schicksalen helfen zu wollen und das auf einer Art und Weise, die den schwerkranken Bewohnern erlaubt am alltäglichen Leben wieder teilhaben zu lassen. Dabei ist es ganz gleich welches Krankheitsbild vorliegt oder wenn Personen in anderen Funktionen die WG betreten. Es spielt keine Rolle ob ein Arzt zur Visite kommt, ein Lieferant neue Ware bringt oder der Hausmeister das Getränkelager auffüllt. Jeder wird auf Augenhöhe (=Sinnbildlich gemeint! Die Größe eines Kampfzwerges erlaubt ihm nämlich nicht alles) mit einem lockeren Spruch begrüßt, sodass dem Gegenüber sofort ein Lächeln ins Gesicht gezaubert wird. Gut, ich gebe zu, manche Sprüche erzielen bei Besuchern eine eher verlegende Wirkung und die Kollegen versuchen buchstäblich ein Loch zu graben, um sich schämend auf schnellsten Wege aus dem Staub zu machen aber solch Situationen werden durch die explosive Lache von Kalle schnell wieder aufgelöst, sodass alle wieder kopfschüttelnd am lachen sind. Apropos Lachen. Kalle hat letztens bei einer Bewohnerin einen so heftigen Lachkrampf verursacht, dass die feuchte Nase, die auf der Trachealkanüle sitzt und der Beatmung dient, abflog und quer durch das Zimmer auf den zu Besuch anwesenden Ehemann Kurs nahm. Die Geschichte schlug noch Tage später hohe Wellen und wurde zum "Running Gag" auf der WG.
Liebe Jury, gerade in Zeiten der immer älter werdenden Bevölkerung und des Pflegenotstands brauchen wir solche Menschen wie Kalle, die die Fahne der Pflege wieder hochhalten und junge Menschen von dieser enorm wichtigen Berufsspate überzeugen. Der von Humor und Empathie geprägte Charakter, gepaart mit der bemerkenswerten pflegerischen Kompetenz machen Kalle zu einem Ausnahmepfleger, der den Menschen in den Mittelpunkt stellt und die Selbstbestimmtheit so gut es geht aufrechterhält.
Ich danke Ihnen, dass Sie der Nominierung bis hierher Ihre Aufmerksamkeit geschenkt haben und drücke unserem Kalle von WG 5 alle Daumen!
Jannis Kuper