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2019

Mandy Lindenau

Patin: Stephanie Riedler

Ich bin Ende 2017 bis August 2018 durch die Hölle gegangen. Ich habe Pflegedienste erwischt, die wegen gefährlicher Pflege geschlossen wurden. Man hat mich als schwerstpflegebedürftige mit Pflegegrad 5 nur einmal am Tag versorgt oder gar nicht. Ich wurde rechtswidrig entmündigt was 2 Wochen später zurück genommen wurde. Ich habe erleben müssen, dass mein Stoma innerhalb von 5 Tagen böse entzündet war, weil es falsch versorgt wurde. Insulin wurde nicht gespritzt, sodass die Zuckerwerte eskalierten. Es ging mir immer schlechter. Meine Mutter mit 80 Jahren hat mich monatelang alleine versorg, sehr liebevoll und aufopferungsvoll. Wo sie die Kraft her nahm, ich weiß es nicht. Das kann nur die Liebe einer Mutter! Ich habe es letztes Jahr erzählt. Es gab viele schlimme Dinge die dazwischen passiert waren. Ich habe nach vielen Jahren der guten Pflege, die schlimmste erleben müssen. Im August 2018 habe ich dann einen Intensivpflegedienst in Niedersachsen gefunden, der meine Pflege übernahm. 92 Kilometer entfernt von mir. Mandy war eine der Pflegerin die mich im August 2018 begann zu pflegen. Sie hatte jahrelang im Altenheim im Nachtdienst gearbeitet und traute sich nun in die 1:1 Pflege im Tagdienst. Sie ist Altenpflegerin. Wir haben uns sehr schnell sehr gut verstanden. Für sie war es eine neue Situation, für mich plötzlich mit einer 12 Stunden Pflege auch. Da ich aber 14 Monate durch die Hölle gehen musste, war ich sehr vorsichtig. Ich kannte sie vom Einstellungsgespräch schon und fand sie sehr sympathisch. Ja der Pflegedienst bezieht mich mit ein, wenn sich jemand vorstellt. Ich hätte mir gewünscht, dass sie sich dafür entscheidet bei mir zu sein und mich zu pflegen. Ich habe plötzlich bei ihr wieder erfahren wie liebevoll und menschenwürdig Pflege sein kann. Sie hat mir ohne dass ich was sagen muss jeden Wunsch von den Augen abgelesen. O Ich habe solch tolle Pflege überhaupt noch nicht erlebt. Es fängt beim waschen an. Das duschen ist ein Genuss. Danach die Pflege wie Gesichtscreme, Körpercreme, Deo, Parfum und schminken. Das habe ich seid 20 Jahren nicht mehr. Aber es ist ein wundervolles Gefühl. Es mag komisch klingen, aber es ist so. Die Haare werden gestylt. Mit Gel. Das ist so schön. Ich bin nicht nur eine Nummer und nichts geht zack Zack. Ich darf mich als Mensch fühlen. Mein Stoma und die PEG sahen schlimm aus, aber dank ihr ist es in Ordnung gekommen. Natürlich hat der Pflegedienst auch einen Anteil daran. Meine Zuckerwerte sanken. Ich darf mich bei Mandy fallen lassen. Ich habe ihr alles über mein Urostoma beigebracht. Einmal erzählt und ich bräuchte mich darum nicht mehr kümmern. Ich kann mich darauf verlassen, dass alles bei ihr läuft. Mandy hat im Nachtdienst früher gearbeitet. Sie hat einen Sohn der Authist ist. Aber trotzdem wagte sie den Schritt in den Tagdienst. Tagsüber ist er in einer speziellen Schule. Im Laufe der Wochen verstanden wir uns immer besser. Sie erzählte mir dass sie plötzlich viel mehr Zeit für sich und ihren Mann und ihren Sohn hat. Ihr Mann sagte ihr dass er nicht mehr möchte, dass sie nachts arbeitet. Sie sind total glücklich mit dieser neuen Arbeit bei mir. Sie kommt total gerne und fühlt sich Pudel wohl. Wenn wir raus gehen haben wir wahnsinnig viel Spass. Plötzlich interessiere ich mich für Schminke und wir probieren in der Drogerie alles durch. Ich muss mich nicht schämen wenn ich hier das Bewusstsein verliere oder entkräftet einschlafe. Sie passt verdammt gut auf mich auf. Sie kann da auch streng aber liebevoll streng sein. Sie kennt mich nach den wenigen Monaten verdamme gut. Und wir haben verabredet gerade wenn wir draussen sind, ich soll sofort sagen wenn es mir schlecht geht und wenn ich ehrlich bin dann erobern wir die Welt, aber es geht sofort nach Hause wenn es mir nicht gut geht. Ich brauche es aber häufig gar nicht sagen, sie sieht es. 

Wir haben aber so viel Spass. Ich versuche immer mit meinem Strohhalm sie mit Wasser zu beschiessen. Leider treffe ich nie. Aber wenn ich es versuche, hält sie den Wasserbecher über meinen Kopf. Ich habe dann gesagt, das traust du dich nicht. Tja da habe ich falsch gedacht. Das Wasser landete auf meinem Kopf. Darauf habe ich erneut mit meinem Strohhalm sie zu beschiessen. Darauf landete erneut Wasser auf meinem Kopf. Sie hat mich aber wieder trocken gelegt. Wir hatten aber so viel Spass, unsere Bäuche taten vom Lachen verdammt weh. Solche oder ähnliche Dinge machen wir hier ständig. Streiche lasse ich mir immer einfallen und sie macht es mit. Ja auch ich kann, auch wenn ich ab Hals abwärts gelähmt bin, Streiche machen. Wir schauen nachmittags auch Filme zusammen. Wir spielen. Sie färbt mir die Haare, auch das kannte ich nicht. Sie sieht wenn ich zum Friseur muss und geht auch mit mir dann dahin. Sie backt Kuchen oder ich habe mir Waffeln gewünscht. Promt gab es sie. Und was für mich besonders schön war, sie ist während ich geschlafen habe, mit meiner Mutter in der Nähe shoppen gegangen. Sie hat es geschafft, dass an meinem Geburtstag erstmals meine Mutter gemeinsam mit uns raus ging. Das hat sie nie getan. Wir waren wunderschön essen und bummeln in der Stadt, und wenn ich raus gehe kommt sie jetzt auch mal mit. Das ist für mich wie früher, wenn wir beide bummeln waren. 7 Jahre habe ich es nicht mehr erlebt. Einmal im Konzert vor 3 Jahren ja da war sie mit. Aber nie wenn ich sonst draussen war. Meine Mutter blüht wieder auf. Und vor allem Mandy hat es geschafft, dass meine Mutter wieder lachte. Das ist für mich soohoo schön. Sie hat ja nur Sorgen mit mir. Mandy sieht mich als Mensch und nicht als ganzheitlichen Menschen. Sie merkt wenn es mir nicht gut geht und wenn sie sagt bitte Ruhe dich aus mache die Augen zu, dann weiss ich ich kann es. Und sie kennt mich. Und danach geht es dann raus. Mit einem Auge ist sie immer bei mir. Diese Fürsorge kenne ich überhaupt nicht. Spass ja das hatte ich ja schon. Darüber hatte ich ja geschrieben. Aber Mandy ist so was von liebevoll und fürsorglich, das habe ich wirklich noch nicht erlebt. Manchmal denke ich durch die Hölle zu gehen musste sein um diesen liebevollen Menschen zu begegnen. Und sie findet es total toll in den Tagdienst zu wechseln. Es geht ihr viel besser. Sie bereut es nicht.  Das finde ich klasse. Ich mag sie sehr und habe grossen Respekt vor ihr. Ihre Arbeit macht sie total toll. Ich weiss es gibt viele solcher Menschen, solcher Pflegekräfte. Aber auch der Pflegedienst ist etwas besonderes. Hier darf ich Mensch sein und auch das medizinische ist plötzlich richtig gut. Was hier alles verändert wurde versetzte mich in staunen. Und auch Mandy bemerkt sofort wenn was nicht stimmt. Sie merkt, dass ich immer mehr abbaue, sie macht sich Sorgen. Das kenne ich gar nicht. Der Pflegedienst redet und organisiert alles mit den Ärzten. Mandy kommt morgens schon mal früher, weil sie weiss, dass es mir sehr weh tut die ganze Nacht auf einer Seite liegen zu müssen. Sie erlöst mich dann. Sie bringt morgens frische Brötchen mit und immer eines für den Abend. Da sie nicht jeden Tag da ist, ist es immer etwas Besonderes für mich. Sie meint immer ich wäre sehr genügsam und leicht zu händeln. Ich würde ihr es auch leicht machen. Na klar. Sie macht es mir ja auch leicht, schön, menschenwürdig. Ich möchte auch, dass es ihr gut geht bei mir. Das ist für meine Mutter und mich selbstverständlich. Ich weiss jeder schreibt, dass seine Pflegekräfte etwas besonderes ist. Wer aber weiss wie schlimm es mir und natürlich damit auch meiner Mutter ging, der wird verstehen was ich meine. Ich habe den Himmel auf Erden. Und dass es solch einen Menschen noch gibt und auch solch einen Pflegedienst daran habe Ich nicht mehr geglaubt. Ich darf endlich zur Ruhe kommen. Ich bin geborgen. Ich darf mich fallen lassen. Auch sie lässt mich meine Behinderung und meine Krankheit vergessen. Es ist wahnsinnig so was erleben zu dürfen. Auch auf saubere Kleidung achtet sie. Ich weiss klingt vielleichtballes banal aber für jemanden wie mich, die so viel Hilfe braucht ist es einfach wunderschön. Auch dieser Umstieg auf die 1:1 Pflege wurde mir einfach gemacht. Es war nicht so einfach plötzlich 12 Stunden jemanden 2 Meter von mir sitzen zu haben und beobachtet zu werden. Ich bin sehr dankbar bei diesem Pflegedienst gelandet zu sein und Mandy kennengelernt haben zu dürfen. Und ich bewundere sie wie sie ihre Arbeit immer gut gelaunt macht, mich habe sie nicht einmal schlecht gelaunt erlebt, und ihren behinderten Sohn und Mann unter einen Hut bringt. Sie ist so glücklich endlich auch mal am Wochenende mit ihrer Familie was unternhemen zu können und nicht wegen des Nachtdienstes schlafen zu müssen und auch im Frei müde gewesen zu sein, das hat sich jetzt geändert. Sie schläft auch wieder ruhiger sagt sie. Und darüber bin ich auch glücklich. Danke Mandy, dass es dich gibt!

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