Philipp Wiemann

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Philipp Wiemann

Wissen ist nicht mehr Macht sondern auch der Grund, warum wir als Team zusammen Spaß im Dienst haben. Es ist eine einfache Milchmädchen-Rechnung. Jemand ist unsicher und macht Fehler und verliert dadurch seinen Mut und seine Leidenschaft für seine Berufung. Nach der Ausbildung hofft jede Pflegekraft einen Topf voll mit Antworten zu haben und weniger Fehler zu machen. Wir wollen als Team herausfordernde Situationen meistern und gewinnen. Sehen wie die Patienten besser werden und das Gefühl an der richtigen Stelle da gewesen zu sein. Bei unserem Team fehlte dieses Gefühl. Die meisten waren frisch ausgelernt und noch nicht bereit für eine Station für geriatrische Patienten mit Demenz oder Delir. Das Hauptproblem gab es im Verständnis vom Umgang mit Patienten mit herausfordernden Verhalten. Das Team hatte kaum Vorkenntnisse zum Thema Demenz oder Wissen über Interventionen für den Umgang mit den einzelnen Demenzformen. Diese Problemlage führte zu Überlastungsanzeigen und vermehrten Krankmeldungen. Die pflegerische Qualität wurde schlechter. Das zeigte sich in erhöhter Anzahl an Dekubitus, Stürzen, Meldungen über besondere Vorkommnisse und längeren Liegetagen. Dann kam Philipp in unserem Team. Er war 30 Jahre, genau wie ich und wir waren die Stationsleitung. Puhh. Nur er war anders. Er liest immer alles nach. Warum wir welche Intervention machen, mit welchem Outcome. Er hat solch eine anstrengende Lernbereitschaft, dass er entschied stationsinterne Fortbildungen zu machen und persönliche Anleitungen durchzuführen. Er hat uns alle zu einer online Lernplattform angemeldet und individuell Empfehlungen für Fortbildungen gegeben. Das waren 180%. Die Pflegekräfte, die Schüler und Praktikanten erhielten eine kurze Einweisung zum Thema Delir und Demenzformen. Der Umgang mit angespannten Patienten wurde regelmäßig besprochen. Dadurch erhielt das Team mehr Sicherheit im Umgang mit herausforderndem Verhalten bei Patienten in einem akuten Delir. Und es kam kaum noch zu Situationen, welche zu Überforderungen führten. Philipp und ich übernahmen das gesamte Jahr die Frühschichten der Pflegekräfte in Fortbildungen. Die Schulungen führten zu einer veränderten Haltung gegenüber den Kranken und eine stärkere Bereitschaft, aufgrund des verbesserten Verständnisses, auf die Bedürfnisse der Kranken einzugehen. Außerdem hatte das Pflegeteam mehr Sicherheit, Routine und Vertrauen im Umgang mit Konfliktsituationen und Verhaltensauffälligkeiten. Sie konnten rechtzeitig herausforderndes Verhalten erkennen. Der erhöhte pflegerische Aufwand konnte durch die Routine minimiert werden, indem das Pflegeteam erlernte, die zeitlichen Ressourcen an anderer Stelle nutzbar zu machen. Im letzten Leitungsgespräch wurde uns die Rückmeldung gegeben, dass der Einsatz von Fort - und Weiterbildung gelungen sei und das Outcome an vielen Stellen sichtbar wäre und eine höhere Zufriedenheit mit der Pflegequalität seitens der Patienten und der Angehörigen entstanden sei. Uns war es sehr wichtig, dass wir eine feste Routine mit dem pflegerischen Umgang dieser Patientengruppe dem Team weitergeben. Als Leitung übernahmen wie immer Dienste und klärten Leitungstätigkeiten nebenbei. Erstmal war das Team und die Versorgung an erster Stelle. Philipp Lernmotivation hat unser Team spürbar gestärkt. Unser Team ist schnell von 10 auf 20 Kräfte gewachsen und wir meistern schwierige Situationen. Mit Philipp in einem Team zu sein und solch ein starkes Team zu schaffen macht mich sehr stolz. Er schafft das, was in der Ausbildung oft vergessen wird: mit Routine, Transparenz und Wertschätzung neues Wissen in die Praxis zu implementieren. Wir machen als Team keinen „Dienst mehr nach Vorschrift“ sondern sind evident in unseren Handeln. Philipp hat die Ehre verdient „Pfleger des Jahres“ zu sein. Ne discere cessa!

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